Freitag, 11. Dezember 2015

Adventslichter

Oh, je nur noch zwei Wochen und es ist Weihnachten!



Mein Blograd ist im Herbst stecken geblieben. Ich versuche mal jetzt Richtung Winter zu schubsen, auch wenn die Temperaturen draußen fast frühlingshaft sind.
Mit Frau Zeit stehe ich momentan auf Kriegsfuß.  Sie hat es zu eilig und ich kann sie kaum einholen, oder habe ich es verpasst und die Tage haben jetzt weniger Stunden?
Wie auch immer, ich renne einfach nur noch hinterher.
Anfang der Woche haben
einige unbeliebte, mikroskopisch kleine Wesen mich gezwungen meine Schritte zu drosseln. Und auch wenn Halsschmerzen, Husten und Schnupfen höchst unangenehm sind, tat es mal gut zwei Tage einfach nichts zu tun. Selbst mein Kopf akzeptierte die faulen Tage, welch ein Wunder!

Trotz viel Arbeit konnten wir die Adventstage genießen und uns ein wenig auf die Winterfeste einstimmen. Für den kleinsten in der Familie ist es die zauberhafteste Zeit des Jahres.
Kerzen, Weihnachtsgeschichten, Weihnachtsmarkt, Schulfest, Backen, Basteln, Schuhe putzen, Päckchen auspacken, gemeinsam Zeit verbringen.

Sein Kopf ist voller Ideen und ich beneide Ihn für seine unbeschwerte Freude, seine Begeisterung, erwartungsvolle Blicke und leuchtende Augen.
Es ist die Zeit gekommen, wo das Zuschauen und das fertige hinnehmen nicht mehr reicht, er will auch mitgestalten. Ja, mit acht ist man schon groß und fast selbstständig.
So gestalteten wir dieses Jahr gemeinsam unseren Adventskranz. Wir Gingen in den Garten und sammelten zusammen  Zweige, Äste, Immergrün und Verblühtes und banden wir einen großen Kranz. Einige auf Waldspaziergängen gesammelte Federn, Lerchen- und Tannenzapfen zwischengesteckt und fertig war das festliche Vogelnest. Der Buntspecht aus seiner hauseigenen Naturkundemuseum durfte darauf gleich Platz nehmen und scheint sich im Adventslicht gerückt ganz wohl zu fühlen.





Die Kerze brennt nun seit zwei Wochen jeden Abend und der Vogel hat zum Glück immer noch sein buntes Federkleid.

Die ursprüngliche Idee des Adventskranzes mit 24 Kerzen haben wir etwas neu interpretiert wieder belebt. Die Steckleuchten bekommen täglich eine Kerze mehr und die Lichter werden fleißig gezählt und angezündet. Welch ein Glück, dass die kleine Weihnachtsbaumkerzen in die Fassungen passen! Auch wenn weniger hübsch, als die langen, schlanken Originalen, beim täglichen brennen und in der Menge wesentlich günstiger und doch ganz schön.


Ich wünsche Euch eine schöne, lichtvolle Adventszeit!






Dienstag, 3. November 2015

Hagebuttenliebe

Eine stachelige Liebe habe ich zu den Hagebutten entwickelt.
So viel Schönheit auf einmal! Von den vielfältigen, nostalgischen Blüten in den schönsten rosa und weiß Nuancen, bis zu den leuchtend roten Beeren, die bei jeder Rose anders aussehen. Klein, groß, rund, schlank, orange, hell- und tiefrot, sogar fast schwarz wetteifern die Rosenfrüchte miteinander.



Im Garten habe ich einige historische, einmalblühende Strauch- und Ramblerrosen, die ich genau aus diesem Grund gepflanzt habe. Ungezähmte Schönheiten sind es mit tausenden Stacheln, widerspenstig und schwer zu bändigen. Aber wenn sie im Juni mit ihrem Blütenreichtum unseren Garten in ein Dornröschenreich verwandeln und ihr betörender Duft durch den Garten fliegt sind die meisten Kratzer vergessen.

Selbst jetzt im Spätherbst tragen manche noch Blüten neben den roten Hagebutten,  als würden sie sich entschuldigen wollen für die Wunden an meinen Armen.
Die lezten Zweige nehme ich mit nach Hause, bevor die Nachtfröste die zarten Blüten zerstören.



Die Beeren dürfen an den Sträußen bleiben, als letzte kräftige Farbtupfer im Garten. Für die gute Hagebuttenmarmelade pflückte ich die Beeren außerhalb der Stadt. Der schöne Familienausflug an einem sonnigen Herbstnachmittag auf dem Land bleibt noch lange in Erinnerung. Reh, Hase und Greifvögel sagten uns guten Tag.

Die Wildrosenhecken waren dieses Jahr überladen vom Früchten. Manche Zweige hingen bis zum Boden von der schweren Last.
Das Pflücken machte trotz einiger wilden Kämpfe viel Spaß.
Vor dem Weiterverarbeiten habe ich mich allerdings wegen der Vorwarnungen meiner Familie und Hagebutten erfahrener Freunde lange gedrückt. Zum Glück hielten sie fast drei Wochen unversehrt im kühlen, dunklen Keller. Jetzt können sie endlich ihr Dornröschenschlaf in den Einmachgläser halten.



Was für eine Arbeit! Nie wieder, sagte ich nach den ersten Kilos!
Was hat mich geritten mir diese Selbststrafe zu verleihen?
Aber als ihr süßer Duft endlich aus dem Topf hochstieg und zum Schluss die roten Gläser auf dem Regal leuchteten war wieder fast alles vergessen.
Alle drei Jahre......na gut, zwei werde ich sie auf Vorrat einkochen. Nächstes Jahr pflücke ich einfach ein paar Kilo weniger.



HAGEBUTTENMUS

Am besten pflückt man die Beeren ohne, oder nur mit ganz kleinem Stielansatz. Man spart so viel Zeit bei der Verarbeitung. (Kinder sind etwas großzügiger beim mitpflücken von Grünteilen. Am besten bekommen sie ein eigenes Körcbchen zum Füllen, so ist das Nachsortieren nicht so aufwändig.)

 Zu lange Stiele müssen abgeschnitten, eventuelle Blätter entfernt, verdorbene Beeren aussortiert und gewaschen werden. 

Die Beeren in einem großen Kochtopf mit Wasser bedeckt zum Kochen bringen, dabei öfter umrühren und mit einem Kartoffelstampfer gut zerstampfen.
Wenn die Beeren weich sind in der Küchenmaschine oder mit dem Stabmixer pürieren.
Jetzt kommt die Arbeit.
Das Mus muss durch eine Flotte Lotte, oder mit Hilfe eines Löffels durch ein Sieb passiert werden.
Die Kerne und die unzählige Härchen die sich in der Frucht befinden und die früher gerne in Schulhöfen als Juckpulver eingesetzt wurden müssen draussen bleiben, sonst wird das Mus ein haariges juckendes Erlebnis. Ich habe das Mus zur Sicherheit zweimal passiert.



Meine kleine Flotte Lotte ist mehrfach gnadenlos verstopft. So war für mich die einfachere Methode erst durch einen grobes, großlöchliges Sieb und zum zweiten mal durch das feine Haarsieb zu pürieren. Wenn ihr einen leistungsstarken Entsafter habt, könntet ihr es damit probieren. Vielleicht geht es schneller.  Bei mir war die Menge von 9 kg Beeren und meine steigernder Unlust das meiste Problem. Sollte es sehr schwer zu passieren sein, etwas Wasser dazugeben.

Das so gewonnenen Mus nach belieben mit Zucker mischen. Ich mag keine zu süßen Marmeladen, so habe ich nur etwa 300 g Rohrzucker auf 1kg Mus verwendet.  Hagebutten haben einen hohen Pektingehalt, so kann man auf Gelierzucker verzichten.
Den Mus 15 Minuten langsam köcheln lassen und in heiße sterilisierte Gläser füllen. Gläser kurz auf den Kopf stellen.

Ich benutze trotz niedrigem Zuckergehalt keine Einmachhilfe. Stattdessen kommen die Gläser sofort, wie schon bei meiner Großmutter in den Trockendunst.
Dazu einen Wäschekorb mit Kissen und Decken auslegen, die heißen Gläser reinstellen, Kissen und Decke drüber und so langsam auskühlen lassen. Es dauert fast ein Tag, bis sie vollständig erkaltet sind. Mit dieser alten Methode ist mir noch nie etwas schimmelig geworden und manch Eingwecktes hält über einen Jahr ohne Probleme.


Schmeckt wunderbar zu Pfannkuchen, Bisquitrollen aber auch zum Wildfleisch.
Oder ihr probiert diesen schnellen ungarischen MOHN-BECHERKUCHEN



Der Maß ist ein Kaffeebecher (250 ml)

1 Becher Mohn (gemahlen)
1 Becher Zucker
1 Becher Mehl
1 Becher Milch
2 Eier
100 g Butter
1 Packung Backpulver
nach Belieben Zimt

Zucker, Butter, die ganzen Eier und Zimt schaumig schlagen. Nach und nach Milch und mit dem Backpulver vermischten Mehl dazugeben gut durchrühren und in einer rechteckigen Form bei 200 Grad 25-30 Minuten Backen.
Nach dem Auskühlen den Kuchen in der Mitte durchschneiden mit Hagebutten- oder eine andere säuerliche rote Marmelade bestreichen. Die Hälften wieder zusammensetzten, den Kuchen in Würfel schneiden und mit Puderzucker bestäubt servieren.



Aus einem Teil der Mus habe ich SIRUP gemacht. Ich glaube ich habe zuletzt, als Kind bei meiner Großeltern HAGEBUTTENSODA getrunken.  Endlich sind die Gläser wieder gefüllt! Ich liebe es!

Das Mus mit der gleichen Menge Wasser verdünnen. Pro Liter Flüssigkeit 700 g Zucker dazugeben und nach Belieben mit Zitronensaft abschmecken.
Alles 10-15 Minuten köcheln lassen, dabei den Sirup öfter umrühren, damit der Zucker sich vollständig auflöst. Heiß in Gläser füllen und ab in den Trockendunst.
Der Dornröschentrunk schmeckt wunderbar mit Sodawasser, aber auch im trockenen Perlwein, als Apperitiv.


Und weil eigene Experimente bei mir selten ausbleiben , so habe ich an einer herzhafte Variante auch getüftelt.
Dabei rausgekommen ist eine feine DIPP /GRILLSOßE oder noch einfacher ausgedrückt, Hagebuttenketchup.

500 ml Hagebuttenmus oder 500 g Hagebutten, entstielt, durchgeschnitten und die Kerne ausgekratzt
2  kleine Zwiebeln - feingehackt
2-3 El Öl
2 zerdrückte Knoblauchzehen
ein  3-4 cm große Zimtstange, oder halbe Tl Zimtpulver
3-4 zerstoßene Kardamomkapseln oder halber Tl Kardamompulver
Chili nach Belieben
Salz, Pfeffer
3-4 Nelken oder eine Messerspitze gemahlene Nelkenpulver
eine Prise gemahlener Piment
150 ml Apfel oder Cherryessig
150 gr Rohrzucker
Nach Belieben Honig

Die Zwiebel im heißen Öl glasig dünsten, zerdrückte Knoblauchzehen dazugeben und auf niedrigere Temperatur anschwitzen. Mit dem Essig aufgießen und die gesäuberten Hagebutten dazufügen den  Hagebuttenmus und 200 ml Wasser dazugeben.
Mit dem Zucker und Gewürzen abschmecken. Bei ganzen Gewürzen, in ein Teebeutel geben und in den Topf hängen. Langsam im geschlossenem  Topf unter häufigem rühren 20-30 Minuten köcheln lassen. Sollte es zu dickflüssig werden, mit etwas Wasser verdünnen.  Ganze Gewürze entfernen, bei ganzen Früchten das ganze mit einem Prürierstab pürieren.
Eventuell mit Salz und Honig nachwürzen, noch mal kurz aufkochen und heiß in Flaschen oder Gläser abfüllen.

Es lässt sich auch gut aus fertigem Hagebuttenmus - aus gut sortierten Supermärkten oder Reformhäuser - zubereiten. In dem Fall sollte man auf die Zugabe vom Zucker verzichten und die Kochzeit auf 15 Minuten reduzieren.

Schmeckt sehr gut zum Gegrilltem, zu einem edlen Burger, als Dip zu Gemüsesticks oder zu knusprigen Kartoffelspalten.



Auch wenn viel Arbeit, es hat sich für denn unvergleichbaren fruchtigen Geschmack gelohnt die Mühe zu machen.
Emil hat gelernt, dass auch Blumen schmackhaft sind, er lernte den Geschmack meiner Kindheit kennen und wir haben die Geschichte vom Dornröschen aufgefrischt.
Durch die lebhafte Ausmalung der mutigen Kampszenen des Prinzen durch das undurchdringliche Wildrosendickicht und die Beschreibung der lustigen Schlafposen vom Schlossbewohner, wobei nicht nur der Prinz, sondern auch wir die Bäuche vorm Lachen hielten wurde Dornröschen ein Jungenliebling.
Als Erinnerung bekam ich eine schöne Kette. Die kleinen Zweigchen mit einem dünnen Kupferdraht geschickt zur Kette gefädelt.



Manchmal muss man von den Kindern die Techniken abschauen. Ich hätte bestimmt mühsam die Beeren mit Nadeln durchstochen. Auch wenn ich manchmal schimpfe, weil meine Materialien zu schnell schwinden, das Ergebnis ist meist tröstend.
Jetzt nur noch in mein Festkleid schlüpfen und ein Hagebuttenfest feiern!


Ich wünsche Euch einen leuchtenden November!








































Mittwoch, 28. Oktober 2015

Saisonende

Die Gartensaison geht zur Ende. Ich werde sie vermissen.


Viel Zeit haben wir in diesem Sommer und frühem Herbst hier verbracht. Zum ersten mal einen Gemüsegarten angelegt, einen Gewächsthaus gebaut und uns über die reichliche Ernte gefreut, an lauen Sommerabenden im Gartenhäuschen übernachtet, Geburtstage gefeiert, an heißen Tagen mit eiskaltem Brunnenwasser und Wassermelonen uns hier abgekühlt.
Schön war es. Schön ist es auch im späten Herbst, auch wenn ich eine Sommerbeschwörerin bin. Ich liebe die goldenen Blätter, die Riesenstauden, die längst über unsere Köpfe gewachsen sind, ihre schönen grafischen Blütenstängel, die tanzenden Gräser und satten Asterntöne, den letzten goldenen Sonnenschein. Noch einmal durch den Garten toben kurz im Gartenstuhl zurücklehnen, den vorbeiziehenden Gänseschwarm beobachten, tief durchatmen.


Dringend müssten wir den Sommer und den lauen Herbst wegräumen, den Garten winterfest machen. Es fällt so schwer. Die letzten Oktobertage schicken immer deutlichere Zeichen  um zu zeigen, dass es wirklich Zeit ist Platz für den Winter zu lassen.






Gartenpumpe und Schlauch in Sicherheit stellen, empfindliche Pflanzen abdecken, Sommerdeko wegräumen, laub fegen, Verblühtes zurückschneiden, noch einmal Unkraut ziehen......






Das Gewächshäuschen räumen, über letztes Gemüse freuen.



Schnell noch einige Zweige, Blätter und letzte blühende Schönheiten pflücken.



Bevor wir gehen, heimlich auf den versteckten Frühling einen Blick werfen


und auf einige schöne Herbsttage hoffen, um die große Aufräumarbeit erfolgreich beenden zu können.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Hundefreundschaft mit hessischer Zwiebelkuchen und Federweißer

Mit Andereas und Falk wohnen wir in der gleichen Strasse, wir haben unsere Gärten nur wenige Meter voneinander entfernt, wir haben so einige gemeinsame Interessen rund ums Gärtnern, Kochen, Backen, die Liebe zum alten Küchengeräten und Kochgeschirr, schöne Blumengestecke und die ungarische Wurzeln in unseren Stammbäumen. Auch Emil hat zwei große Freunde gefunden, die seine Leidenschaften verstehen und teilen, ihm zuhören, unermüdlich seine Fragen beantworten, für ihn Zeit nehmen.
So streifen sie gemeinsam durch den Garten, sammeln Samen oder beobachten Hornkäfer, Libellen, Schmetterlinge, die Bienen im Bienenstock, die Ameisen in der "Beobachtungsstation" oder die Kaninchen im Stall. Mal sitzen sie in ein Bestimmungsbuch vertieft am Gartentisch oder am Lagerfeuer mit Stockbrot. Zwischendurch wird gekocht, gegessen, geplaudert und viel gelacht.
Mit dabei unsere Hunde, denen wir diese Freundschaft danken können. Zwei liebenswerte Energiebündel der gleichen Rasse, die sich von Anfang an gut verstehen und den Grundstein für unsere Freundschaft legten.



Mit lieben Menschen gemeinsam am Herd zu stehen und am Tisch zu sitzen ist einer unserer entspanntesten und beliebtesten Wochenendprogramme, wie beim unseren lezten, ziemlich spontanen gemeinsamen Nachmittag im Gartenhäuschen am Holzofen.

Falk bereitete den hessichen Zwiebelkuchen seiner Mama vor, nachdem wir uns mit dem köstlichen Kuchen von Andreas beim herbstlichem Sonnenstrahlen gestärkt haben. Wenn Kalorien, dann bloß nicht knausern!




Jetzt bin ich nicht nur ein schönes Erlebnis, sondern ein tolles Rezept reicher und weiß Gewiss, dass der hessiche Zwiebelkuchen wesentlich mehr Zwiebel braucht, als seine Verwandten anderswo. Umso mehr schmecken tut er auch!
  
Teig: 

500 g Mehl
1 Würfel Hefe oder eine Packung Trockenhefe
1 TL Zucker
250 ml lauwarmes Wasser
50 g weiche Butter
1 Tl Salz

Die Hefe im Wasser mit dem Zucker zusammen auflösen. Mehl in eine Schüssel geben, mit dem Salz vermischen, in die Mitte eine Mulde drücken und die Hefemischung dazugeben. Nach und nach mit dem Mehl vermischen und mit der Küchenmaschine, oder per Hand zu einem geschmeidigem Hefeteig kneten, dabei die weiche Butter unterkneten. Halbe Stunde zugedeckt an einem warmen Ort ruhen lassen.
In der Zwischenzeit den Belag vorbereiten.



Belag: 

1,5 - 2 kg große oder Gemüsezwiebel
100-120 g Butter
1 Glas Federweißer oder trockener Weißwein
400 ml Sahne
3 Eier
300 g Speck oder Baconwürfel
Salz, Pfeffer, Muskat

Die Zwiebeln putzen und in Ringe schneiden.  (Sehr große Zwiebeln erstmal halbieren).


Die Butter zum Schmelzen bringen und die Zwiebeln darin kurz andünsten, mit Federweißer angießen und langsam köcheln lassen, bis die Zwiebeln gar sind.
Die Zwiebeln mit einer Schöpfkelle aus dem Sud nehmen oder durch einen Durschlag gießen, gut abtropfen und abkühlen lassen.



Den Teig einmal durchkneten, ausrollen und in ein gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben.
10 Minuten noch mal gehen lassen.

Für den Guss die Sahne mit den Eiern verquirlen, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen.
Die ausgekühlte, Zwiebeln auf dem Teig verteilen mit der Sahne-Eiermischung gleichmäßig übergießen.


Die Speckwürfelchen drüberstreuen. Vegetarier überspringen einfach diesen Schritt.



Im heißen Ofen in ungefähr 30 Minuten goldgelb backen.



Mit einem Glas Federweißer servieren und auf gute Freundschaften mit oder ohne Hunde anstoßen!



Falls etwas übrig bleibt, schmeckt am nächsten Tag kalt, oder kurz in den Ofen geschoben umso besser!



Guten Appetit!

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Herbstlich ausgewogen

Kühl und nass ist es seit Tagen. Trotzdem schreiten wir mit Hund und Kind durch den Stadtwald, ausgerüstet mit Regenjacken und Gummistiefeln. Den Beiden macht es einen riesen Spaß durch alle Pfützen zu schreiten, versuchen rüberzuspringen und mit großem Gespritze und Gelache ganz zufällig in der Mitte zu landen.
Mir macht es auch Spaß beim zuschauen. Es sieht so fröhlich und ausgelassen aus, auch wenn mein Kopf dabei ständig rattert......  oh mein Gott, sie werden so schmutzig.......sooo schmutzig!

Ja das sind sie. Das reinigen vom Klamotten, Hund und Kind macht eher weniger Spaß. Es war aber schon sowieso Zeit für die Wanne. Nein nicht zusammen! Nacheinander. Am besten erst Kind, dann Hund.
Es ist wieder alles sauber. Die Schale auf dem Küchentisch voll mit herbstlichem Obst, Maiskolben, Hagebutten, das Kinderzimmer mit Kastanien, bunten Blättern, Eicheln und allerlei Naturgaben. Ich hoffe Sechs- und Achtbeiner sind im Wald geblieben.
Ja, der Herbst ist reich an Geschenken.
Vielleicht gerade deshalb spiele ich so gerne mit kleinen schlichten Stilleben, wenn ich einen stillen Moment habe. Ein schöner Ausgleich.



Die schönen 60- er 70- er Jahre Keramiken mit ihren Herbsttönen und ein letztes grünes Zweigchen   sind schon herbstlich genug und tragen schon etwas Frühling in sich, obwohl noch nicht mal der Winter da war.


Emils großer Wunsch, einen verlorenen Hirschgeweih im Wald zu finden ist  noch nicht in Erfüllung gegangen. Bis dahin bewundern wir unsere Flohmarktschätze.


Üppig und minimalistisch, farbig und monocrom, laut und leise, Sonne und Regen.....der Herbst hat ein breites Repertoire. Schön, wenn die Balance sich hält in der Zeit, wenn die Waage langsam  in den Skorpion tritt.



Ich wünsche Euch ein ausgeglichenes Wochenende mit allen Facetten eines schönen Herbstes.

Montag, 12. Oktober 2015

Die allerletzten Holunderbeeren

Dieses Jahr habe ich die Holunderbeerenernte fast ganz verpasst, obwohl die Beeren hier im Norden wesentlich später reif werden als anderswo. Oder gerade deshalb?  Beim ersten Versuch waren die Beeren noch unreif, zwei Wochen später die Büsche von fleißigen Bauern ganz zurückgeschnitten, die wenig übergebliebene Dolden von hungrigen Vögel leergepflückt.
Hartnäckig suchte ich letzte Woche die ganze Gegend  ab und pflückte mit viel Müh und Not wenigstens eine Tüte voll letzte schwarze Beeren. Selbst die halbkahlen Dolden durften diesmal mit.


Mit umso mehr Bedacht und Sorgfalt ging ich an die Verarbeitung. Jede einzelne Perle war plözlich so kostbar.
Vorsichtig streifte ich die Beeren mit einer Gabel vom Stiel. Nur faule zu trockene, oder noch unreife durften auf den Stielen bleiben, oder wurden gleich aussortiert.



Ich glaube ich habe noch nie so gründlich gearbeitet. Die nackten Skelette sahen ohne die Beeren,  wie schöne, grafische Zeichnungen aus. Die Natur ist eine große Künstlerin.


Meine Schale wurde immer voller, meine Finger immer schwärzer. Meine Hände sind schon an allerlei Farben gewöhnt, der schwarzviolette Holundersaft ist aber wirklich hartnäckig und einige Handwäschen mit Sicherheit haltbar.
In Ungarn benutzte man ihn früher mit Fett gemischt als Politur für schwarze Lederstiefel und Schuhe.
Es ist also ratsam Kleider und Hände zu schützen.

Einige Dolden habe ich aufgehoben und auf einer aufgespannten Schnur die Beeren zum trocknen aufgehängt.
Später schmecken sie in Früchtetees frisch säuerlich, oder dürfen die kleine schwarze Perlen Speisen  mit Holunderbeerengeschmack verzieren.


Die restlichen Beeren habe ich erstmal gewaschen und entsaftet.


Am einfachsten wäre es mit einem Dampfentsafter den Saft zu gewinnen, für die Schale voll Beeren hätte es sich aber nicht gelohnt den großen Topf auszuleihen. So habe ich die etwas mühsamere Methode gewählt. Ich brachte die Beeren mit wenig Wasser (damit die Früchte nicht am Topfboden kleben bleiben) langsam zum Kochen. Einige Minuten köcheln gelassen, dabei mit dem Kartoffelstampfer die Beeren zerdrückt.
Ein großes Sieb oder Durchschlag mit einem Mulltuch ausgekleidet, die zerspampfte Beeren reingegossen und langsam abgetröpfeln lassen. Zum Schluss kräftig ausgewringt, und jedes Tröpfchen aufgefangen.
Den so gewonnenen Muttersaft habe ich gleich weiterverarbeitet.
Wenn man den Saft aufbewahren möchte, sollte man ihn noch mal sprudelnd kochen lassen, gleich in sterilisierte heiße Flaschen abfüllen und sofort verschließen. Den Saft kühl und dunkeln lagern.
Falls ihr Lust habt, die Rezepte auszuprobieren, und keine Hollerbüsche geplündert habt, Muttersaft gibt e auch in den Reformhäuser und Biosupermärkte zu kaufen.
Die Rezepte schmecken auch sehr gut mit Preiselbeer oder Granatapfelsaft.

Jetzt musste ich doch einen Aquarellpapier aus der Schublade holen und die schöne Farbe darauf vertteilen. Getröpfelt, gegossen, gepustet. Was für eine Farbintensität!
Kinder sind meist sehr begeistert von Naturfaben, aber auch für hübsche, passende Etiketten lohnt es sich zwischendurch künstlerisch tätig zu werden.



Aus einem Teil des Saftes habe ich Holundbalsam eingekocht, was ein toller Begleiter zu Käseplatten oder zu Salaten ist.

500 ml Balsamicoessig
500 ml Holunderbeeren Muttersaft 
250 g Zucker
150 ml Portwein ( Man kann den auch weglassen. In dem Fall 100 ml mehr Essig verwenden)
50-100 ml Honig
1-2 Zimtstangen (je nach Größe)
10 Pimentkörner
8 Nelken

Den Balsamico mit dem Zucker zum Kochen bringen. Langsam köcheln bis der Zucker vollständig aufgelöst ist. Weitere Zutaten dazugeben (Gewürze am besten in einem Teebeutel oder in ein Mulltuch gebunden in den Topf hängen) und langsam köchelnd die Flüssigkeit reduzieren. Wenn es langsam anfängt einzudicken, die Gewürze entfernen und sofort in frisch sterilisierte heiße Flaschen füllen und sofort schließen.

Bei mir veredelte es gleich einen rote Beete Carpaccio



1 große, oder 2-3 kleine roote Beete Knollen
100 g Ziegenfrischkäse oder Gorgonzola
Salatblätter  - Ruccola, Feldsalat, oder gemischte Salate, vom Frisee, junge Spinat und rote Beete Blätter.
eine kleine Handvoll Walnüsse oder Pinienkerne - leicht in einer trockenen Pfanne geröstet
Olivenöl
Salz, Pfeffer
Holunderbalsam

Die rote Beete in der Schale (ähnlich wie Pellkartoffel) zum Kochen bringen. Je nach Größe nach 20-30 Minuten abgießen, abdampfen lassen und die Schale abziehen.
Die ausgekühlte Knollen auf dem Gemüsehobel in feine Scheiben hobeln und gleich auf einer Platte oder auf Tellern anrichten. Salzen, Pfeffern, mit Olivenöl betäufeln, die sauberen, trocken geschleuderten Salatblätter darauf anrichten. Käse in kleinen Brocken darauf verteilen, Nüsse oder Pinienkerne darüberstreuen, mit dem Holunderbalsam betröpfeln und etwas Olivenöl verfeinern.
Schmeckt wunderbar erdig, fruchtig, herbstlich.


Aus dem restlichen Saft habe ich Holunderbeerensirup eingekocht

1 Liter Muttersaft
80 g Zucker (ich benutze Rohrzucker)
Saft von 2-3 Zitronen

Saft und Zucker unter häufigem Rühren zum Kochen bringen, damit der Zucker sich vollständig auflöst. Zitronensaft dazugeben und mindestens 5 Minuten langsam, sprudelnd kochen lassen. Sofort in frisch sterilisierte Flaschen füllen (Gläser mit twist off Deckel oder Bügelverschluss eignen sich am besten).
Der Sirup ist lange haltbar und schmeckt sehr gut mit Soda oder Mineralwasser, als Erfrischungsgetränk. Ein kleinen Schuss mit Prosecco aufgegossen ergibt einen schönen Aperitif.
Verfeinert aber auch einen Teller Grießbrei, Milchreis, oder Yoghurt und Quarkspeisen.
Ich habe einen sehr einfaches, doch so köstlichers Holunderbeereneis damit gezaubert.


450 ml Vollmilchjoghurt
250 ml Schlagsahne
250 - 300 ml Holunderbeerensirup (Auch aus fertig gekauftem Sirup herstellbar)

Alle Zutaten gut mischen. Je nach Geschmack mehr, oder weniger Sirup dazugeben. (Im gefrorenen Zustand schmeckt die  Masse weniger intensiv. In die Eismaschine füllen und nach Herstellerangabe zum Eis frieren lassen.
Auch ohne Eismaschine einfach herstellbar. Dazu die Eismasse in einem tiefkühlfestem Gefäß oder Dose füllen und in den Tiefkühlfach stellen. Jede halbe Stunde mit einer Gabel, oder dem Pürierstab nachrühren, bis es vollständig gefroren ist.

Eine süße Belohnung nach getaner Arbeit. 
Jetzt warten die Hagebutten auf die Weiterverarbeitung. Die gab es nämlich gratis in Massen bei der Holundersuche, aber darüber nächstes mal.