Mittwoch, 8. Juli 2015

Eiskaltes Sommersüppchen - Gurkengazpacho

Ich werde bestimmt gleich auf Protest stoßen, aber ich oute mich doch! Die sehr warme letzte Tage war genau nach meinem Geschmack! Mein ungarisches Blut kam endlich auf die richtige Temperatur!
Ich liebe die Hitze auf meiner Haut, die trägen Tage, die zum Entschleunigung zwingen, das plötzliche gegenseitige Verständnis, wenn einiges viel langsamer läuft oder auf der Strecke bleibt und die Motivation weniger hoch ist. Ich liebe das barfuß Laufen und die Sonnenbrille auf der Nase, ein kaltes Fußbad, das Stimmgewirr vom Schwimmbad, summende Hummeln und vor Freude quitschende Kinder unter dem Wasserschlauch, die lauen Sommerabende mit geöffneten Fenstern und im leisen Durchzug tanzende Gardinen. Ich liebe die kühlen Sommergetränke, das köstliche reife Obst und Gemüse vom Markt und die leichten erfrischenden Speisen.

Endlich können sonst das ganze Jahr "kaltgestellte" Gerichte ohne Kochen und mit wenig Aufwand aus dem Tiefschlaf geweckt werden.
Auf der Hitzetage-Favoritenliste steht bei uns neben einem kaltem fruchtigem Tomatensalat, Wassermelonensalat und allerlei Antipasti, das eiskalte Gurkensüppchen ganz oben.
Lässt man noch dazu den Zweitnamen Gurkengazpacco auf der Zunge zergehen und schlürft dann genüsslich am Glas, fühlt man sich selbst auf dem heimischen Balkon, wie im Süden.


Zutaten:

2 Schlangengurken, oder etwa gleiche Menge Gartengurken - geschält (bei Biogurken darf die Schale daran bleiben) und grob gewürfelt
1 kleinere Knoblauchzehe - geschält, zerdrückt
1 Bund Frühlingszwiebel - geputzt und grob gehackt
400 ml Naturjoghurt
1 Bund Minze - gehackt
1 Bund Dill -gehackt
1 Zitrone /abgeriebene Schale und Saft nach belieben
Ein guter Schuss Olivenöl
Salz, Pfeffer
eventuell stilles Mineralwasser oder kalte Gemüsebrühe

Alles, außer Mineralwasser in einem Mixer, oder in ein höheres Gefäß mit dem Stabmixer fein pürieren. So viel Wasser dazugeben, dass der gewünsche Konsistenz erreicht ist.
Dass Süppchen darf ruhig etwas zähflüssiger, aber nicht zu dick sein.
Eiskalt, mit Minze, Dill oder Zitronenscheibe garniert und eventuell mit Eiswürfel und dickem Strohhalm servieren, oder in kleine Schälchen mit Räucherlachs, oder süßlichem Krabbenfleisch.

Es schmeckt wunderbar nach Sommer!







Donnerstag, 25. Juni 2015

Holunderblüten-Kristalle auf leuchtroten Erdbeerhügeln

Meine einmal im Jahr geöffnete Holundermanufaktur ist nach getaner Arbeit für dieses Jahr wieder  geschlossen.
Der wunderbare Duft von fast 8 Kg Blüten ist nun für das ganze Jahr konserviert und das sorgfältig Eingeweckte darf uns auch an kalten Wintertagen an die leichte, duftige Sommermonate erinnern.
Einiges muss noch reifen, um den vollen Geschmack oder die heilende Kraft zu entwickeln, andere Köstlichkeiten dürfen gleich probiert und verkostet werden.

Nach etlichen Regentagen besuchten uns gestern einige Sonnenstrahlen. Um sie zum Bleiben zu ermutigen öffnete ich die erste Flasche Holundersirup, mischte sie mit Zitronensaft und Wasser und ließ das duftende Gebräu einige Stunden im Tiefkühlfach verweilen.
Nach und nach ließen sich hübsche Eiskristalle abschaben und wanderten für eine kurze Weile auf fröhlich roten Erdbeerhügeln, bevor sie wieder - vom begeisterten Schlürfgeräuschen begleitet - zu schmelzen begannen.

Es war bestimmt nicht die letzte Granita dieses Jahres. Auch die duftende Holunderblüten dürfen schon im Sommer unsere Gaumen verwöhnen.



Schnell gerührt; ein erfrischendes Dessert an heißen Sommertagen.




Zutaten:

500 ml Wasser oder Prosseco
100-200 ml Holunderblütensirup (Selbsteingekochten oder einen mit sehr guter Qualität mit natürlichen Aromen verwenden, um einen unnatürlich parfümierten Geschmack zu vermeiden. Zu finden z.B in Reformhäusern, in  gut sortierten Supermärkten und manchmal auf dem Wochenmarkt)
2-3 Zitronen
Frische Erdbeeren

Die Zitronen auspressen. Nach Belieben von einer Zitrone die Schale abreiben und auch mitverwenden.
Prosseco, Wasser, Zitronensaft- und Abrieb vermengen. So viel Blütensirup dazugießen, dass eine feine süß-saure, blumig duftende Limonde entsteht. Es darf ruhig etwas konzentrierter schmecken. Im kalten Zustand sind die Aromen wesentlich milder und wir empfinden es als weniger süß.
Die Flüssigkeit in eine flache Schale gießen. (Back- Springform oder eine größere Gefrierbox sind gut geeignet. In Metallformen friert die Granite etwas schneller). Nun in den Tiefkühlfach schieben.
Während des frierens immer wieder mir einer Gabel durchziehen, damit sich grobe Eisbrocken bilden.
Auf kleingeschnittenen, erntereifen Erdbeeren in vorgekühlten Schälchen servieren.

Granite oder auf italienisch Granita ist eine halbgefrorene, erfrischende, mit dem Sorbet verwandte Eissorte. Zubereitet wird es immer mit einer aromatisierten Zuckersirup-Wasser Mischung.
Im Gegensatz zu dem cremigem Sorbet ist die Konsistenz der Granite durch das häufige Umrühren -  ähnlich, wie beim Crasheis - körnig. 

Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass noch viele Sonnentage folgen, die wir mit nach Sommer schmeckenden Eiskristallen versüßen können.

Um bisher veröffentlichte Rezepte einfacher zu finden, habe ich sie auf einer extra Seite unter REZEPTE verlinkt und in Kategorien unterteilt. Ihr findet ihr sie oben unter dem Header, (neben dem Impressum).
Dort sind alle meine Holunderrezepte, von Sirup, Likör, Essig, Öl, Salz usw.... zu finden.
Viel Spaß beim stöbern!












Montag, 22. Juni 2015

Johannistag - Sommerfesttag

Kinder lieben Feiertage - ob  Geburtstage, Ostern, Nikolaus, Weihnachten, Silvester sie können die kaum erwarten.
Feste verleihen dem Jahr einen festen Rhytmus und bringen eine freudige Abwechselung in den Alltag, auch für uns Erwachsene - besonders wenn wir uns von denen nicht stressen lassen.  Kinder mit ihren kleinen sensiblen Antennen merken sofort, wenn wir nicht mit Liebe und Lust, sondern eher aus Pflichtgefühl, oder Gewohnheit dabei sind. Schade ist es, wenn der Stress gewinnt, denn gerade für das kleine Volk gehören diese Tage zu den Höhepunkten des Jahres. Sie lassen sich mit wenigen einfachen Ideen und Ritualen verzaubern, meist sind wir es, die mit unseren hohen Erwartungen uns selbst im Wege stehen.

Es gibt so viele schöne Festtage im Brauchtum, die heute immer mehr verblassen und in Vergessenheit geraten. Schade, denn gerade an denen könnten wir uns an Gelassenheit üben und uns einfach dem Spass und Spontanität hingeben.
Sie scheinen nicht so groß und wichtig zu sein, wie z.B die großen Winterfeiertage, es kann kaum was Schief gehen, höchstens erntet man, wie wir gestern an unserer kleinen spontanen, vorgezogenen Johannifeier,  einige Regentropfen, oder mächtige Rauchwolken dank nassem Holz und Kräutern am Lagerfeuer.

Ich erzählte Emil in den letzten Tagen einige Sagen, Legenden und Bräuche aus verschiedenen Länder rund um den Johannistag und Sommerwende, las kleine Geschichten und Gedichte vor.
Sträuße und Kränze zu binden und Kräuter zu pflücken machten Spaß, noch viel aufregender schienen die Märchen zu sein, mit all den Drachen, Zwergen, Kobolden,  Feen und Tier gestalten und natürlich das Lagerfeuer.



Wir verbrachten den Sonntag trotz bewölkter Himmel und bescheidene Temperaturen im Garten.
Ich hatte keine Lust zum Unkraut zupfen und ließ mich von Emils Ideen leiten.
Er verbrachte Stunden damit an verschiedenen Plätzen kleine, versteckte Behausungen für zahreiche mystischen Wesen, Glühwürmchen, Libellenkönigin, Froschkönig, sprechende Vögel  und noch einige die in unserem Garten zu wohnen scheinen, zu bauen. Es war schön zu sehen, wie er in seine eigene Geschichten vertieft fantasievoll werkelt.



Am Teich, oben im Kirschbaum, im Farnbeet, Steingaren und selbst im uralten leeren  Briefkasten entstanden kleine Paläste um die Nachtwesen willkommen zu heißen.
Material war genug vorhanden. Einige Stöcke, Steine, Muscheln, Schneckenhäuser und paar Blütenköpfe reichten für den Bastelnachmittag aus.



Später packte mich auch seine Feststimmung. Aus einigen Haselzweigen, Mohnkapseln und Kräuterblättern bastelten wir Sorgenpuppen, die später in unserem - aus einigen restlichen Holzscheiteln improviesierten Feuer - mit allen schlechten Träumen oder drückende Gedanken verbrennen durften. Ich war ganz überzeugt, dass Emil sie nicht nicht ins Feuer werfen mag, aber ich lag mit meinen Vermutungen falsch. Bis auf eine landeten sie in den Flammen mit der Aussage:
 " So jetzt haben wir nur noch Glück!"



Den einzigen Apfel die wir im Obstkorb fanden steckten wir auf einem Spieß und bald duftete es nach köstlichem Bratapfel. (Nach einem alten ungarischen Brauch schützen im Johannifeuer gebackene Obststücke vor Krankheiten und schenken Gesundheit für das ganze kommende Jahr. 
Es wurde brüderlich geteilt und mit großem Genuss verzehrt.  Umso weniger vom etwas da ist, umso kostbarer scheint es zu sein.



Zum Schluss leuchteten wir mit einer kleinen Laterne zwischen den Farnen. Vielleicht steckt irgendwo die sagenumwobene Farnblüte und bei ihren Anblick lernen wir die Sprache der Tiere verstehen. Hätte sein können. Vielleicht nächstes Jahr - etwas besser vorbereitet und vielleicht an einem Samstag bei schönen Wetter, oder doch lieber ganz traditionell direkt am Johanistag am 24. Juni mit Übernachtung in der Gartenhütte, mit Feuer und Licht im dunkeln und mit mehr Äpfeln und einem kleinen Picknik und Nachtwanderung durch die Gartengänge und.....



Oder wir lassen es einfach auf uns zukommen wie dieses Jahr und genießen einfach den Tag und das Zusammensein. 







Samstag, 20. Juni 2015

Sommersonnenwende

Am Sonntag den 21. Juni ist es nun soweit und wir haben den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Die Sonne erreicht auf der Nordhalbkugel ihren höchsten Stand.
In einigen Länder, z.B in Schweden wird an diesen Tag ausgiebig gefeiert, in anderen Länder steigen die Feierlichkeiten erst einige Tage später am St Johannitag - in diesem Jahr am 26 Juni.
Welcher Tag auch immer, es gibt kaum ein Land wo die Zeit um die Sommersonnenwende nicht mit Traditionen und Bräuchen beladen ist und voller Legenden, Magie, Zaubereien, Aberglauben, mystische Geschichten und Sagen umwoben.
Es ist das Fest und lange Nacht des Lichtes, des Feuers, der Helligkeit, aber auch der Liebe, Gesundheit, Reinheit, Erneuerung.

Zahreiche Rhyten werden weltweit in diesen Nächtem praktiziert, die Gesundheit, gute Ernte oder Glück in der Liebe bringen sollen. Dämonen und böse Geister werden vertrieben, Wünsche können in Erfüllung gehen, Unmögliches geschehen.

Pflanzen spielen neben dem Feuer eine große Rolle bei diesen Festigkeiten.
Einige, wie das Johanniskraut das zu dieser Zeit blüht, oder die Johannisbeeren die langsam ihre Reife erreichen, erinnern uns sogar mit ihren Namen das ganze Jahr über an diese Lichttage.

Frisch gepflückte und gebundene Johannissträucher aus 7 verschiedene Blüten sollen glücksbringend sein. Auf jeden Fall sind sie wunderhübsch an einer Sommertafel. 
Ich pflückte sie heute mit Emil in unserem  Garten und erzählte ihm dabei über die spannenden Legenden und Märchen.
Die 7 Blüten waren schnell gefunden. Zahlreiche Sommerblumen schmücken gerade den Garten. Wir hatten die Qual der Wahl, entschieden uns für einen Strauß in blautönen und wählten duftende Sommerrosen, Lupinien, Glockenblumen, Katzenminze, Salbei, Mutterkraut und Sterndolde für unser Sommernachtstrauss.


Ein Johanniskranz über der Tür oder Fenster gehangen soll böse Dämonen und Geister vertreiben, unter das Kopfkissen gelegt bringt sie Segen und Glück in der Liebe. Mancherorts gingen Frauen mit den Blumenkränzen beschmückt zu einer Quelle und ließen sich mit dem frischen Quellwasser besprengen, was vom allem Unglück im kommenden Jahr reinigte.
Unserer duftete nach Sommerjasmin und ich sah damit bestimmt aus, wie eine übergebliebene Hippybraut, auch das Quellwasser fehlte, aber vielleicht reichen auch schon die Regentropfen die  wahrscheinlich uns aushelfen wollten.
 



Es ist die Zeit wo angeblich Himmel und Erde am nahsten sind. Kräuter sollen ihren höchsten Kraft entfalten und heilend wirken.
Unser Korb ist nun gefüllt mit Sauerampfer, Pimpinelle, Wermut, Süßdolde, Liebstöckel, Petersilie, Rosmarin, Thymian, Minze, Melisse, Bohnenkraut, Boretsch, Oregano, Basilikum.
Einige werden wir trocknen und machen unseres heilenden, würzigen Kräutersalz davon.




In den nächsten Tagen werden wir noch Geschichten erzählen, nach Zwergen, Kobolden und huschende Feen schauen, Spargel und Rhabarber zum letzten mal essen, über richtig reife duftende Erdbeeren und  Holunder uns freuen und vielleicht sogar über Feuer springen.

Ich wünsche Euch mystische Tage!






Donnerstag, 18. Juni 2015

Experimentelle Gärtnerseife

Es ist schon eine Weile her, als wir mit meiner Freundin Yvonne an einem kühlen, grauen Nachmittag im Frühjahr uns in den Sommer gebastelt haben. Unser Vorhaben: eine Gärtnerseife mit Peelingeffekt für den kommenden Gartensaison zu kreieren und zwar ganz einfach, ohne große Einkaufsliste aus vorhandene Materialien.



Gedanklich in einem blühenden Sommergarten in der Erde wühlend, raspelten wir ein Stück alte, steinharte Marseille Olivenseife in ein Töpfchen und starteten einige Schmelzversuche.

Im Wasserbad, wie Schokolade müsste es doch gut funktionieren, oder in heißem Backofen....
Der Topf wurde heiß, die Seife hartnäckig in Flocken. Passiert ist nichts. Vielleicht mit Geduld in einigen Stunden.

Abwarten und Teetrinken ist schön, noch schöner ist es ein schnelles Ergebnis zu sehen.
Also wanderte der Topf aus dem Ofen auf den Herd. Und tatsächlich fing die Seife in Kürze an zu schmelzen und die zähe Masse gleichzeitig anzubrennen.  Beim Kochen würde ich in dem Fall etwas Flüssigkeit hinzufügen und brav auf kleinste Flamme gestellt vorsichtig  rühren...  Auch bei der Seife schien  die Methode gut zu funktionieren. Ein Schluck Milch dazu und siehe da, die Masse schmilzte wunderbar geschmeidig.
Einige Tropfen Ätherische Öle und ein paar EL Mohnsamen in die Masse gerührt und sie wanderte  gleich, bevor sie sich es anders überlegt in eine rechteckige Ausstechform.
Jetzt müssten wir nur noch Geduld üben. Um das Aushärten zu beschleunigen viel uns kein Küchentrick ein, aber mit der Zeit klappte es.
Wir streuten auf die noch etwas weiche Oberfläche etwas Mohnsamen und drückten sie vorsichtig an.
Sah wie ein leckeres Kuchenstück aus und ließ uns auch beim aus der Form drücken nicht in Stich.


Fertig war unsere erste Gärtnerseife des Jahres!

Wie ein Juwel wurde unser rustiklales Kunststück bewundert und wartete einige Monate gut behütet auf den richtigen Einsatz.




Die Gartenzeit ist längst eröffnet unser Seifenschatz  leistet gute dienste.
Die Mohnsamen pielen Hände und Füße und auch mein verstaubtes Gesicht, Olivenöl und Milch pflegen die Haut wunderbar, die ätherische Öle duften zart und natürlich.

Mittlerweile stehen weitere Blöcke hier in verschiedene Duftnoten und sind meine treuen Begleiter im Garten und auch im Atelier. Sie schaffen sogar ein großer Teil der Zeichnetusche von meine Finger zu schrubben und selbst im Freien kann ich sie, dank rein natürliche Zutaten mit gutem Gewissen benutzen.


Zutaten: 

1 Block Olivenseife
Paar EL Milch (am besten Ziegen- oder Schafsmilch)
Einige Tröpfchen natürliche, reine ätherische Öle ( Ich liebe Zitrone, Orange, Limone, Mandarine, Rosmarin, Kamille und Lavendel) Ihr könnt einen davon verwenden, oder eure eigene Duftnote zaubern.
Ungemahlene Mohnsamen
Nach Belieben 1-2 TL flüssigen Honig

(Statt Mohnsamen könnt ihr auch grob zerstoßene Kaffeebohnen nehmen. In dem Fall sollte man auf die Aromaöle verzichten. Der Kaffe hat schon einen starken Eingengeruch)


( Idee und Styling in Zusammenarbeit mit Yvonne Richter, Fotografie Simon Florentz)